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Smalltalk - Entertainment: Tina Reichel: Erste Ausstellung moderner Kunst im Erfurter Dom

Debüt für den Dom: Unter dem Titel „Laut“ zeigt die Erfurter Künstlerin Tina Reichel ihre neuesten Werke in der Kathedrale ihrer Heimatstadt. Zum ersten Mal überhaupt findet in dem Gotteshaus eine Ausstellung moderner Kunst statt. Tina Reichel setzt mit ihren Bildern ein Zeichen – auch in Zeiten der Corona-Krise. Eine pandemiekonforme Ausstellungseröffnung fand am 3. Dezember statt. Die Schau in der thüringischen Landeshauptstadt ist noch bis zum 23. April zu sehen.



Der Erfurter Dom ist eines der ältesten Kirchenbauten in Erfurt. Seine Geschichte reicht bis ins 8. Jahrhundert zurück. Der berühmte Einhornaltar, der Wolfram-Leuchter oder das Gemälde von Lucas Cranach dem Älteren, das die Vermählung der Heiligen Katharina zeigt – die Kathedrale beherbergt zahlreiche Kunstschätze. Doch noch nie fand hier eine Ausstellung mit moderner Kunst statt. Gezeigt werden Gemälde mit Außenansichten von Kirchen in Europa. Bis jetzt. Denn seit dem 3. Dezember 2020 eröffnete hier die Erfurter Künstlerin Tina Reichel ihre Ausstellung „Laut“.

Der Titel der Schau, bei er es sich tatsächlich um die allererste offizielle Ausstellung mit modernen Kunstwerken in der über 1.000-jährigen Geschichte der Kirche handelt, hat nichts mit ungezügeltem, akustischem Lärm zu tun. Tina Reichel setzt vielmehr auf die stille, aber mitreißende Macht der Farben. Es geht ihr darum, auch in Corona-Zeiten ein Zeichen für die kreative Kraft der Kunst zu setzen. Der Untertitel des Events lautet dementsprechend: „Die Kunst steht nicht still und ich erst recht nicht.“



Bauwerke in fluoreszierendem Farbrausch


Die Malerin zeigt neue Arbeiten, die sich mit monumentalen Architekturen auseinandersetzen. Dabei inszeniert sie Bauwerke in einem leidenschaftlichen Farbrausch: vom Mailänder Dom und dem Kölner Dom bis Big Ben. Und natürlich stand auch der Erfurter Dom selbst Modell. Das Besondere an Reichels Bildern ergibt sich nicht nur durch die Verfremdungseffekte aufgrund ihrer schrillen Farbgestaltung, sondern auch aus besonderen optischen Wirkungen: Die Künstlerin verwendet fluoreszierende Farben, die die Motive nicht nur bei Tageslicht, sondern auch im Dunkeln zum Leuchten bringen. Hinzu kommt ein spezielles Beleuchtungskonzept mit UV-Licht, das jedes einzelne Werk individuell in Szene setzt.

Zur coronakonformen Eröffnung am 3. Dezember wurden Tina Reichels Arbeiten im Kirchenraum des Langhauses gezeigt. Anschließend zogen sie in den Ausstellungsraum im historischen Dachstuhl des Gotteshauses um, wo auch das berühmte und mittlerweile restaurierte Marienmosaik zu sehen ist. Bis zum 23. April 2021 können Besucher die Bilder an diesem besonderen Ort Erfurter Geschichte im Rahmen von Führungen erleben.

„In jedem Fall geht es mir um das Thema Farbe“



Tina Reichel stammt aus Erfurt und hat mittlerweile ein zweites Zuhause in der Kunststadt Düsseldorf gefunden. Doch die thüringische Landeshauptstadt ist und bleibt für sie weiterhin ein zentraler Ort. Erfurt ist ihr Ruhepol, ihr ultimativer Identifikationspunkt. Viele Jahre war die Urur-Enkelin des Saalfelder Malers Carl Altenburg rund um den Globus unterwegs. Als Vertriebsdirektorin reiste sie für einen Hotelkonzern in Weltstädte wie London, Moskau und Dubai – wo sie schließlich auch die Motive für ihre Malerei fand. Skizzenblock und Stifte sind seither fester Bestandteil ihres Handgepäcks und in ihrem Atelier arbeitet sie mit fluoreszierenden Acrylfarben auf Leinwand oder Holz. Seit vielen Jahren schon hat sich Tina Reichel ganz auf die Malerei konzentriert, wobei sie sich bei der Motivwahl zweifellos von ihrem früheren Job inspirieren lässt. Es sind die architektonischen Wahrzeichen internationaler Metropolen, die sie in dem für sie typischen Gestus festhält. Eiffelturm, Empire State Building oder Burj Kalifa erscheinen dabei ebenso in einem ganz besonderen Licht wie das Colosseum, Notre Dame – oder eben der Erfurter Dom. Als Motive dienen ihr darüber hinaus Menschen oder beispielsweise florale Strukturen, wie sie in ihrer Serie „Flowers“ zu sehen sind. „In jedem Fall geht es mir um das Thema Farbe. Sie dominiert jedes meiner Bilder“, betont die Künstlerin. Ihre im Farbrausch inszenierten Architekturen und Körper erfreuen sich nicht zuletzt in Hotels rund um die Welt großer Beliebtheit. Dementsprechend sind die Bilder u.a. in Berlin, New York, Moskau und Dubai zu finden.

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